Weinen ausdrücklich erlaubt Im "fröhlichsten Museum der Welt" dreht es sich jetzt auch um die Zwiebel Von Daniel Duben
WIESBADEN. Aus den deutschen Küchen ist die Zwiebel nicht mehr wegzudenken. Kein Wunder dass die meisten Menschen beim Anblick des Gemüses zuerst an Leckereien wie Zwiebelsuppen oder schmackhafte Steaks mit zarten Zwiebeln denken. Kunstkommt dabei den wenigsten in den Sinn. Bei Michael Berger ist das anders. Zwiebeln haben ihn schon immer fasziniert. Seit 30 Jahren sammelt de'r Leiter des Erbenheimer Harlekinäums alles rund um das Gemüse. "Die Zwiebel bringt uns zum Weinen", stellt Berger treffend fest. Doch was andere beim Hacken, Schneiden oder Raspeln des Gemüses stört, ist für ihn absolut wü̈nschenswert. "Jede Träne, die nicht geweint wurde, macht krank", sagt Berger. Denn Tränen würden den Körper von innen reinigen. Egal, ob beim Lachen, Weinen - oder Zwiebel schneiden. Kaufladen und Grass Einen Teil seiner Zwiebelsammlung hat Berger nun in einem der insgesamt zehn Räume des Harlekinäums ausgestellt. Unter dem Motto "Ode an die Zwiebel/Lachen und Weinen" dominiert ein Kaufladen die umgebaute Garage im . Hof des "fröhlichsten Museums der Welt". Auf der Theke liegen Zwiebeln in jeglicher Variation. Braune, weiße, grünliche, große, kleine, runde undKängliche Exemplarebefinden sich in direkter Nachbarschaft zum literarischen Zwiebeiwerk, das unter anderem von Grass' "Beim Häuten der Zwiebel" vertreten wird. An den Wänden ist derweil ein Gemälde mit Zwiebeluntergang auf offener See zu sehen. Es hängt neben etlichen anderen Exponaten, die sich in der ein oder. anderen Form mit der Zwiebel beschäftigen. Wer genau hinsieht, entdeckt sogar ein Bild der so genannten russischen Zwiebeltü̈rme. Auch die Hintergrundmusik steht ganz im Zeichen des Gemüses. Der Kölner Komponist Axel Schweppe hat ein Stück rund um die Zwiebel komponiert. Weinen und Hacken inklusive. "Die Zwiebel steht für so viel", unterstreicht Berger. In der medizinischen Forschung würde sie verwendet werden, den Modetrend "Zwiebellook" würde jeder kennen und sogar Bauwerke würden manchmal nach ihrem Vorbild entworfen. "Sie trägt zudem die Energie der Sonnen in sich, die wir durch das Schälen und Schneiden wieder freisetzen können", erklärt Berger. Hinter ihm steht derweil, im wahrsten Sinne des Wortes, ein Handkäs mit Musik. Wer an dem Hebel der kleinen Spieluhr neben der hessischen Spezialität dreht, hört Beethovens "Für Elise", oder auch "Zwiebellise", wie Berger das Stück lächelnd nennt. "Wir sollten lernen, uns alle nicht mehr so ernst zu nehmen", sagt er noch immer grinsend. Würde die Menschheit damit beginnen, sich endlich ein wenig zu entschleunigen, würde es allen schon viel besser gehen, ist sich Berger sicher. Beim Zwiebelschälen könnte man sich darüber ja mal Gedanken machen.
|